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2018
Bargeld, Giralgeld, Vollgeld: Zur Diskussion um das Geldwesen nach der Finanzkrise
2018/10
Max Planck Institute for Research on Collective Goods
Bonn
2018
Abstract
Der Aufsatz setzt sich kritisch mit verschiedenen Vorschlägen zur Reform des Geldwesens seit der Finanzkrise und mit den zugrundeliegenden Vorstellungen von „Geld“ auseinander. Das Wort „Geld“ wird in dieser Diskussion für verschiedene Dinge und in verschiedenen Bedeutungen gebraucht. Als paradox erweist es sich, dass die Diskussion um die Geldpolitik, auch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, geprägt ist von der Vorstellung, dass die Ausgabe von Bargeld eine Verbindlichkeit der Zentralbank darstellt, ebenso die Einlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank, während gleichzeitig die Diskussion um die Rolle der Geschäftsbanken im Geldwesen geprägt ist von der Vorstellung, dass diese durch ihre Kreditvergabe „Geld“ schöpfen und somit die Einlagenfinanzierung von Geschäftsbanken keine Schuldenfinanzierung ist. Beide Vorstellungen sind falsch, die eine, weil die Geldschöpfung der Zentralbank diese zu nichts verpflichtet, die andere, weil die Geldschöpfung der Geschäftsbanken sehr wohl Verpflichtungen schaffen, die Liquiditäts- und Solvenzrisiken mit sich bringen. Der zweite Teil des Aufsatzes geht kritisch auf radikale Reformvorschläge zur Abschaffung des Bargelds und zur Abschaffung der Geldschöpfung der Geschäftsbanken (Vollgeld-Initiative) ein. Erstere unterschätzen die Rolle des Bargelds als Grundlage aller auf Nominalwerte gerichteten Forderungen, u.a. der Forderungen an Geschäftsbanken, letztere unterschätzen die Möglichkeiten und die Risiken einer Substitution von Sichteinlagen durch andere „geldnahe“ Titel, z.B. Geldmarktfondsanteile. Die Vorstellung, man könne durch solche Änderungen die Komplexität der Interdependenz von Geldsystem und Banksystem reduzieren und die Aufgabe der Geldpolitik vereinfachen, ist unrealistisch.